Geige lernen: Was wichtig ist (und welche Fehler man vermeiden sollte)

Die Geige gehört zu den beliebtesten Musikinstrumenten. Noch höher im Kurs stehen nur das Klavier und die Gitarre. Streichinstrumente sind faszinierend und für viele ist es ein lange gehegter Traum, Geige zu lernen. Ob man Geigenunterricht nehmen sollte oder auch als Autodidakt eine Chance hat, wie teuer Geigenstunden sind und ob sich der Einstieg für Erwachsene überhaupt noch lohnt, behandeln wir in diesem Beitrag.

Ist Geige lernen schwer?

Die Geige ist ein komplexes und anspruchsvolles Instrument. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikinstrumenten wie dem Klavier, der Gitarre oder eher einfachen Instrumenten wie der Blockflöte dauert es in der Regel deutlich länger, bis man dem Streichinstrument Töne entlocken kann, die sich nach Musik anhören. Das Halten und Führen des Bogens erfordert ein hohes Maß an Koordination. Beim Streichen der Geige braucht man jederzeit die volle Kontrolle um die Saiten genau so in Vibration versetzen und diese aufrecht erhalten zu können, damit die Töne auf exakt die gewünschte Weise erklingen zu lassen. Motorisch wird dem Geigenspieler einiges abverlangt und bis man das Instrument wirklich im Griff hat vergeht viel Zeit. Man benötigt Zeit, Geduld und vor allem Durchhaltevermögen. Die meisten Musiker verharren im Anfängerstadium, weil sie nach kurzer Zeit des Elans einfach den Drive verlieren und sich nicht mehr verbessern. Man muss am Ball bleiben und auch dann weiter machen wenn man den Eindruck hat, auf der Stelle zu treten. Intrinsische Motivation, also der eigene Antrieb von innen heraus, trennt die Spreu vom Weizen.

Wie lange dauert es bis man Geige spielen kann?

Wie lange es dauert bis man Geige spielen kann hängt zum einen davon ab, was man unter Geige spielen können versteht. Möchte man ein Virtuose wie einst Yehudi Menuhin und Dawid Oistrach werden oder den Level heutiger Top-Violinisten wie Julia Fischer und Hilary Hahn erreichen wird man die Musik zu seinem Lebensmittelpunkt machen müssen und benötigt darüber hinaus auch noch einige Fähigkeiten die sich kaum nur durch tägliches Üben kompensieren lassen. Die besten Geiger der Welt haben fast alle sehr früh mit dem Geige spielen begonnen und tausende Stunden in ihr virtuoses Geigenspiel investiert. Dabei wurden sie unterstützt und optimal gefördert.

Geige lernen als Erwachsener?

Auch als Erwachsener kann man ohne Weiteres noch Geige lernen. Für Kinder ist es immer einfacher, etwas Neues zu erlernen und das gilt auch für Musikinstrumente aller Art. Allerdings sind Erwachsene in den meisten Fällen deutlich motivierter und zielstrebiger. Kindern fällt es leichter die beim Geige spielen erforderlichen motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden. Außerdem haben sie nach einigen Jahren regelmäßigem Üben und Spielen einen Vorsprung von hunderten oder gar tausenden Stunden, was die Spielpraxis und -Erfahrung anbelangt. Diese „verlorene“ Zeit wieder hereinzuholen dauert seine Zeit, die es sich zu investieren lohnt. Weil man als Späteinsteiger aber den besseren Fokus hat, ist das Üben meist effektiver und man kann durchaus auch als Erwachsener noch einen annehmbaren Level erreichen. Hat man besonders viel Potential, kann man sogar noch richtig gut werden.

5 Gute Gründe Geige zu lernen

Jedes Musikinstrument ist auf seine Weise faszinierend. Was für die Violine spricht, zeigt die folgende Liste:

  1. Nicht nur für Einzelgänger Die Geige überzeugt als Soloinstrument mit einem umfangreichen Repertoire. Bei einem guten Violinisten hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass etwas fehlt oder das Geigenspiel gar langweilig ist. Natürlich kann man sich auch mit Gleichgesinnten zusammentun um gemeinsam zu musizieren. Ob es sich dabei um Streicher handelt oder ganz andere Musikinstrumente ist dabei gar nicht so wichtig. Das vielseitige Streichinstrument findet überall seinen Platz, egal welche Art von Musik gemacht wird. Ganz klassisch ist sicher das Orchester. Aber auch im Bereich der Kammermusik sind Violinisten gefragt. Und im Duett mit einer weiteren Geige oder Instrumenten wie dem Klavier kann man die Zuhörer begeistern. Wer schon etwas Erfahrung mit der Geige sammeln und den Anfängerstatus hinter sich gelassen hat, findet hier sicher eine Möglichkeit, seine musikalischen Fertigkeiten einzubringen und den eigenen Horizont zu erweitern.
  2. Einfach zu transportieren Ihre kompakten Abmessungen und das überschaubare Gewicht machen die Geige zum idealen Begleiter überall hin. Im Geigenkoffer ist das Instrument ganz einfach auch mit beengten öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren und auch zuhause nimmt es nicht viel Platz weg. Auch im Handling ist die Violine sehr angenehm. Man kann sowohl im Stehen als auch im Sitzen spielen und so die Wirbelsäule optimal unterstützen.
  3. Ultimative Herausforderung Ein komplexes Instrument sorgt jedes Mal wenn man sich verbessert hat für ein gewaltiges Erfolgserlebnis. Die Geige ist nicht einfach zu erlernen. Wer Herausforderungen mag, findet mit der Violine ganz sicher seinen Meister. Auch Freunde und Familie werden einem mit Respekt begegnen. Wer gut werden will, benötigt ein gehöriges Maß an Disziplin, Konzentration Durchhaltevermögen. Nur wer am Ball bleibt und sich dauerhaft motivieren kann, wird seiner Violine am Ende wirklich respektable Töne entlocken können. Dafür hilft einem das Instrument durch alle Zeiten und Stimmungslagen und ist auch ideal zum Stressabbau und als Ausgleich zum Alltag. Beim Musizieren kann man abschalten, entspannen, vergessen und die Musik genießen. Diese Erfahrungen sind auch auf andere Bereiche übertragbar. Wer gelernt hat, dass er für seine Mühen irgendwann direkt belohnt wird, auch wenn es Phasen gibt durch die man sich regelrecht kämpfen muss, dem fällt es leichter, sich zu motivieren etwas anzugehen und durchzuziehen. Auch die gesteigerte Konzentrationsfähigkeit macht sich positiv.
  4. Schult Koordination, Motorik und Geschicklichkeit Auch Erwachsene profitieren von diesen direkten Effekten. Wer regelmäßig Geige spielt, verbessert seine Fähigkeiten in diesem Bereich nicht nur, sondern kann sie möglichst lange, auch bis ins hohe Alter, beibehalten. Wer hier nicht regelmäßig aktiv wird, verliert ab einem gewissen Alter viel schneller seine Geschicklichkeit mitsamt koordinativer und motorischer Fertigkeiten. Bei Kindern sind diese noch nicht voll ausgeprägt. Beim Geigen erlangen sie nicht nur ein Maximum an manuellen Fertigkeiten, sondern übertreffen bald sogar ihre Altersgenossen, die ihre Hände nicht so regelmäßig in dieser Form gebrauchen.
  5. Positive Wirkung von Musik aufs Gehirn Es gibt zwar kein Musikzentrum im Hirn, aber beim Musik hören und machen werden ganz unterschiedliche Regionen im Gehirn gleichzeitig aktiviert. Beim Geige spielen ist sowohl der Tastsinn als auch Sehsinn und Hörsinn sowie unsere Feinmotorik bei einem komplexen Miteinander beteiligt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Gehirnstrukturen von Musikern zu Menschen die keine Musik machen, unterscheiden. Nachgewiesen wurde sogar, dass sich die Gehirne sogar unter Musikern unterscheiden, wenn diese sich jeweils einer anderen Musikrichtung verschrieben haben. Jazzpianisten und klassische Pianisten teilen zwar die Leidenschaft fürs Klavier, jedoch fordern die verschiedenen Musikstile unterschiedliche Anforderungen an den Musiker und seine Fähigkeiten stellen, um richtig interpretiert und gespielt werden zu können. Involviert ist beim Musik machen auch das Broca-Areal. Dabei handelt es sich neben dem Wernicke-Areal um eines der beiden Sprachzentren. Die Auswirkungen auf unsere kognitiven Fähigkeiten sind nicht zu unterschätzen und gerade Kindern deren Gehirn sich noch voll in der Entwicklung befindet, tut man einen riesigen Gefallen, wenn man ihnen ermöglicht Geige zu spielen oder allgemein Musik zu machen. Die Entwicklung auf kognitiver und emotionaler Ebene lässt sich mit Musik positiv beeinflussen und wirkt sich auf viele Bereiche des Lebens konstruktiv aus. Auch das Erkennen von Tonabständen und allgemein das Treffen des richtigen Tons, sowie Rhythmusgefühl und polyphones Spielen sind Leistungen des Gehirns und und Resultat von häufigem Üben. Einige Menschen haben auch im Erwachsenenalter noch das absolute Gehör und erkennen damit die exakte Höhe eines Tons. Diese Fähigkeit ist bei Kindern weit verbreitet, geht dann aber meist verloren. Linke und rechte Gehirnhälfte sind über das Corpus callosum verbunden. Eine Art Brücke, welche bei Musikern deutlich größer ist. Auch andere Bereiche haben bei Musikern einen größeren Querschnitt. So zum Beispiel die graue Substanz in den Regionen die für die Motorik verantwortlich sind. Aber auch Endorphine werden beim aktiven Musik machen oder dem passiven Hören ausgeschüttet. Musik hat so viele Auswirkungen auf unser Gehirn und unser Wohlbefinden, dass sich damit ganze Bücher füllen ließen. Es lohnt sich, Musik zu machen, auch für Senioren die so geistig fit bleiben und ihre motorischen Fähigkeiten aufrecht erhalten können.

Geige lernen im Selbststudium

Grundsätzlich kann man jedes gängige Musikinstrument im Selbststudium erlernen. Autodidakten haben oft Eigenmotivation im Übermaß und in Zeiten von YouTube, Onlinekursen und nahezu allen erdenklichen Informationen zum Nulltarif im Internet sind die Voraussetzungen ein Instrument auf eigene Faust und ohne Lehrer zu erlernen so gut wie nie zuvor. Lehrvideos und Tutorials führen einen an Geige & Co heran und es dauert nicht lange, bis man bereits die ersten Töne hervorbringt die einem Lust auf mehr machen. Gerade bei einem anspruchsvollen Instrument wie der Geige sollte man den Wert von professionellem Geigenunterricht aber nicht unterschätzen. Es ist gerade die ersten Wochen und Monate nämlich sehr wichtig, direktes Feedback von jemandem zu erhalten, der etwas von dem was man tut, nämlich Geige spielen, versteht. Es passiert sehr schnell, dass sich Fehler einschleichen die man selbst überhaupt nicht wahrnimmt.

Wo kann man Geige lernen?

Städtische Musikschulen bieten Geigenunterricht an. Aber auch private Musikschulen und Geigenlehrer geben Geigenstunden. Letztere bei sich zuhause oder beim Schüler vor Ort. Wichtig ist, von Anfang an einen guten Lehrer an seiner Seite zu haben, der einen wirklich voranbringt. Es sollte auf persönlicher Ebene passen, aber vor allem die Methodik des Lehrers muss auf die eigenen Bedürfnisse angepasst sein und einen wirklich voranbringen. Vorteilhaft ist immer, wenn der Lehrer auf den Schüler eingehen kann und mit viel Erfahrung und pädagogischem Geschick dafür Sorge trägt, solide Fortschritte zu machen. Ein guter Geigenlehrer bringt einem nicht nur die Grundlagen wie die korrekte Körperhaltung oder das Handeln der Violine und das Geigenspielen an sich bei, sondern auch wichtige Techniken zum Üben und Behalten des Repertoires im Gedächtnis bei. Man sollte vorab die Vita des Lehrers studieren. Wo hat er studiert? Welche Erfahrungen hat er bereits gesammelt? Wie lange unterrichtet er schon? Auch eine Recherche über eine Suchmaschine der Wahl ist manchmal hilfreich und liefert oft wichtige Informationen über den Lehrer, vielleicht sogar ehrliche Rezensionen und Meinungen. Am Ende hilft aber nur der persönliche Kontakt, wenn es darum geht, die Qualität eines Geigenlehrers zu beurteilen. Eine Probestunde ist meist kein Problem und man weiß oft schon rein vom Bauchgefühl, ob das etwas werden kann. Viele gute Lehrer haben oft lange Wartelisten. Man sollte sich also rechtzeitig melden und Interesse bekunden. Für Einzelunterricht können pro Stunde schon einmal 50 Euro fällig werden. Am Ende hängt dies aber von der Unterrichtsmethode und davon ab, wie lange eine Stunde geht. Oft sind es 45 Minuten, aber auch 30 oder 60 Minuten kommen in Frage. An Musikschulen bezahlt man meist auch während der Ferien Beiträge, obwohl kein Unterricht stattfindet. Gruppenunterricht ist preiswerter, aber zumindest wenn man nicht auch Einzelunterricht nimmt, nicht so effektiv. Günstig bieten oft Studenten die im Hauptfach Geige studieren Unterricht an. Dieser muss nicht schlecht sein, jedoch sollte man hier genau hinsehen. Oft fehlt einfach die Erfahrung im Umgang mit Schülern.

Was bei Kindern wichtig ist

Kinder die Geige lernen möchten benötigen eine spezielle Kindergeige. Dabei handelt es sich um Instrumente die in ihrer Größe etwas reduziert sind, um so den Ansprüchen von Kindern optimal gerecht werden zu können. Weil der Nachwuchs schnell größer wird und irgendwann dann die nächste Geigengröße her muss, macht es Sinn, zunächst ein Instrument zu mieten. Musikhochschulen bieten diesen Service meist an und können einen auch sehr gut beraten in Hinblick darauf, welche Geige optimal zum Kind passt. Ansonsten ist hier ein professioneller Geigenlehrer unabdingbar. Vielleicht kann man den Nachwuchs während der ersten Stunden begleiten und dem Unterricht beiwohnen – so kann man auch feststellen, ob der Lehrer den eigenen Vorstellungen entspricht und mit Sohn oder Tochter zurecht kommt. Ist dies nicht der Fall, sollte man nicht zögern, dies klar zu kommunizieren und gegebenenfalls einen Wechsel vorzunehmen. Gerade bei Kindern ist ein motivierender, menschlicher und im Umgang mit Kindern kompetenter Lehrer sehr wichtig, um am Ball zu bleiben und ihr Instrument mit Freude zu erlernen. Auch die Eltern sollten ihr Kind unterstützen und immer wieder motivieren und anspornen zu üben, auch wenn die ersten Wochen oft hart für die restliche Familie werden.

Beliebte Bücher zum Geige lernen

Bestseller Nr. 1 Violine für Dummies
Bestseller Nr. 2 Das Geigen-Schulwerk: Der Anfang des Geigenspiels. Band 1. Violine.
Bestseller Nr. 4 Geige lernen mit Erfolg als Erwachsener (2019)
Bestseller Nr. 5 Das wundervolle Buch der Motive: Zeichnen lernen in 7 Schritten
Bestseller Nr. 7 Spiel Violine!, m. 2 Audio-CDs

Letzte Aktualisierung am 4.08.2021 um 23:30 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API