Wieso man ein Cello gebraucht kaufen sollte

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Es muss nicht immer ein neues Instrument sein. Ein gebrauchtes Cello ist in der Regel deutlich günstiger und klingt genauso gut wie ein neuwertiges. Außerdem haben vor allem in die Jahre gekommene Celli einen ganz besonderen Charme. Worauf man beim Kauf eines Gebrauchten achten muss und welche Fehler man nicht machen sollte, verraten wir in diesem Ratgeber.

Was dafür spricht

1. Neu VS Alt: Wenn ein Cello gepflegt und regelmäßig gewartet wird behält es seine klanglichen Eigenschaften bei. Ein paar Modelle gewinnen im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte sogar noch an Charakter. Ein paar Gebrauchsspuren wie kleine Kratzer oder Macken hier und da sollten kein Ausschlusskriterium sein. Egal wie gut man auf eine neues Instrument auch aufpasst – früher oder später bleibt man mal irgendwo hängen, stößt irgendwo an, streift irgendwo vorbei, das Cello kippt um oder jemand anders passiert das Missgeschick. Viele Musiker stehen auf den Used-Look bei besonders alten Instrumenten der für Vintage-Flair sorgt. Jeder Makel erzählt dabei seine eigene Geschichte. Legt man darauf keinen Wert sondern möchte ein möglichst neuwertiges Gebraucht-Cello das im Bestfall nur ein paar Jahre alt ist, sollte man eben darauf achten, dass es keine Beschädigungen aufweist die für das Cellospiel problematisch sind und bei besonders markanten Schönheitsfehlern auf einen Preisnachlass bestehen, sollten diese nicht bereits im Preis für das Streichinstrument berücksichtigt sein.

2. Günstig: Der Hauptgrund wieso überhaupt irgendwer nach gebrauchten Streichinstrumenten Ausschau hält ist natürlich der attraktive Preis. Nicht jeder kann sich ein neues Instrument leisten und der Gebrauchtmarkt ist relativ groß. Weil die Gebrauchten aber nicht immer ein Schnäppchen sind auch wenn die Zahl vor dem Euro-Zeichen es vermuten lässt sollte man genau hinsehen. Wer keine Ahnung hat investiert sonst schnell einmal zu viel, auch weil er in dem Moment das Instrument einfach haben möchte. Es gibt sie aber, die günstigen Cellos und man kann eine Menge Geld sparen.

3. Investition ohne Wertverlust: Ähnlich wie beim Auto ist der Wertverlust bei neuen Musikinstrumenten während der ersten Jahre am größten. Der Unterschied ist, dass er bei den meisten Instrumenten dann relativ konstant bleibt. Wenn man ein fünf Jahre altes Cello kauft so wird man es in fünf Jahren mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit zu einem ähnlichen Preis auch wieder verkaufen können. Vorausgesetzt, die bezahlte Summe entsprach dem tatsächlichen Wert des Cellos. Natürlich gibt es auch ein paar Ausnahmen auf die diese Regel nicht anwendbar ist – aber beim durchschnittlichen Streichinstrument vom niedrigen bis zum mittleren Preissegment kann man sie so stehen lassen. Nur wenige Celli steigen im Wert, die meisten fallen ein paar Jahre lang und pendeln sich dann in einem marktüblichen Preisrahmen ein.

Was dagegen spricht

1. Preisfindung: Oft ist nicht abschätzbar, wie viel ein Instrument tatsüchlich noch wert ist. Man sollte deshalb immer nach gängigen Modellen bekannter Hersteller Ausschau halten die vielfach gehandelt werden und so Rückschlüsse auf den realistischen Wert zulassen. Kann man dies nicht, muss man sich oft auf die Angaben des Verkäufers bezüglich Alter, ursprünglichem Preis, aktuellem Wert und Historie verlassen. Besonders Anfänger und Unerfahrene haben hier ihre Probleme. Eine erfahrene Begleitung kann einen vor Ort aber unterstützen und vorab schon eine erste Prognose abgeben.

2. Rechtliche Situation: Bei einem Online-Kauf kann man vom 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen und Waren aller Art ohne Gründe einfach wieder zurückschicken. Einige Online-Musikhäuser bieten sogar ein 30-tägiges Rückgaberecht an. Beim lokalen Händler beruht das Ganze auf reiner Kulanz – er muss das Streichinstrument nicht wieder zurücknehmen. Natürlich gibt es beim Gebrauchtkauf auch keine Garantie oder Gewährleistung. Es gilt, „gekauft wie gesehen“. Bei einer gebrauchten Waschmaschine ist dies sicher problematisch – bei einem Streichinstrument eher weniger. Dass man es nicht einfach wieder zurückbringen kann – es seidenn dies wurde vorher ausdrücklich vereinbart, beispielsweise beim Händler vor Ort oder einem kulanten Geigenbauer – sollte jedem klar sein. Möchte man das Instrument nach dem Kauf wieder loswerden, hat man immernoch die Möglichkeit, es wieder zu verkaufen. Ein gut überlegter und damit richtiger Kauf macht dies aber überflüssig. Garantie und Gewährleistung sind sicher von Vorteil – aber nur, wenn ein Schaden auftritt, den man nicht selbst zu verantworten hat und das ist selten. Gegen Unfälle diverser Art und andere Missgeschicke hilft deshalb nur eine Versicherung die dies abdeckt und wenn alle Stricke reißen müsste man das Instrument eben zur Reparatur geben.

3. Schönheitsfehler: Wie oben schon angedeutet, hat man fast immer hier und da ein paar Kratzer oder kleine Macken bei gebrauchten Instrumenten. Alterserscheinungen oder der normale Verschleiß eben. Diese Schönheitsfehler können den ein oder anderen stören. Es gibt auch Leute die es schlicht und ergreifend bevorzugen etwas Neues zu besitzen, etwas das noch niemand in Gebrauch hatte. Ein Instrument, das den typischen Geruch eines neuen Cellos versprüht und dabei absolut makellos daherkommt. Das ist legitim und man sollte sich einfach entsprechend nach einem Neuen umsehen.

Zustand realistisch bewerten und Preis bestimmen

Um das gebrauchte Streichinstrument möglichst objektiv einschätzen zu können sollte man es genau ansehen und sämtliche Schwachstellen besonders sorgfältig überprüfen.

Worauf man achten muss
– Mechaniken: Funktionieren sie tadellos ohne zu klemmen?
– Verschleißteile
– Lack: Beschädigungen vorhanden?
– Holz: Tiefe Kratzer und Macken vorhanden?
– Gesamteindruck: Mehrfach von allen Seiten ganz genau ansehen und alles anfassen
– Sind Reparaturen durchgeführt worden?
– Wenn etwas kaputt ist: Wie groß ist der Aufwand es reparieren zu lassen und wie viel Geld wird man voraussichtlich investieren müssen?
– Muss zeitnah ein irgendetwas ersetzt werden, könnten irgendwann Reparaturen anfallen die so nicht üblich sind bei neuen Celli?
– Was kosten vergleichbare Instrumente des selben Baujahrs, Herstellers und gegebenenfalls Modells?
– Was ist an Zubehör dabei und wie viel hat dieses an Wert?

Was ist an Zuberör dabei?

Bei gebrauchten Celli ist häufig auch das ein oder andere Zubehör dabei. Ganz wichtig ist natürlich der Bogen ohne den man nicht spielen kann. Sollte keiner dabei sein, muss man die Kosten dieser notwendigen Anschaffung entsprechend einkalkulieren und schauen ob das Budget ausreicht. Ein Cellokoffer oder eine geeignete Tasche sind gerade für den Transport mehr als sinnvoll. Möchte man das Instrument gleich mit nach Hause nehmen – und davon ist auszugehen – sollte man deshalb am besten gleich selbst einen Koffer oder eine geeignete Tasche zum sicheren Transport mitbringen. Ein Parkettschoner ist auch mehr als sinnvoll, in der Regel aber nicht Bestandteil eines Angebots. Auch ein Notenständer sollte nicht fehlen, der kostet aber nicht die Welt. Was bei einem gebrauchten Cello auch nur selten dabei ist, sind Verschleißteile wie Saiten. Man sollte diese genau inspizieren und am besten gleich einen oder zwei Sätze Saiten kaufen. Damit ein Streichinstrument überhaupt klingt, müssen die Rosshaare des Bogens mit sogenanntem Kolophonium behandelt werden. Es ist unbedingt notwendig, da nur so genug Haftwiderstand zwischen Saite und Boogenhaar entsteht, dass Töne entstehen. Man sollte deshalb auch gleich für sich oder den Nachwuchs dieses Bogenharz besorgen um durchstarten zu können.

Gut klingen muss es

Das wichtigste Kriterium überhaupt neben dem allgemeinen Zustand des Cellos ist natürlich der Klang. Deshalb sollte man sich – unabhängig davon ob man ein neues oder ein gebrauchtes Instrument erwerben möchte – davon überzeugen, ob dieser einem auch zusagt und damit die Grundlage für regelmäßiges Üben und Spielen sein kann. Klingt das Instrument nicht gut, wird man auch keine Freude daran haben, was schlecht für die Motivation ist. Außerdem gibt es noch unzählige Alternativen die beim selben Preis mitunter deutlich besser klingen. In so einem Fall also einfach für die Möglichkeit das Cello ansehen zu dürfen bedanken und weitersuchen. Wie man beim Verkäufer, bei dem es sich entweder um eine Privatperson oder einen gewerblichen Verkäufer der auch Geigenbauer sein kann handelt am besten vorgeht, verraten wir im nächsten Abschnitt.

Was man vor Ort machen muss

Hat man ein gebrauchtes Cello zu einem vernünftigen Preis gefunden und einen Termin vereinbart, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es nicht damit getan ist, das Instrument nur zu begutachten. Man muss es in den Händen halten und spielen. Nur so kann man herausfinden ob es das richtige Cello ist oder nicht. Am besten man ist zu zweit – so kann man mit etwas Entfernung aus der Distanz zuhören und den Klang besser einschätzen und bewerten. Ganz anders, als wenn man ausschließlich selbst spielt. Vielleicht kann hier auch der Besitzer aktiv werden und einem ein Stück vorspielen, dies sollte dann vielleicht schon vorab abgesprochen werden. Blutige Anfänger sind ohnehin auf jemanden angewiesen der etwas Expertise mitbringt und das zukünftige Streichinstrument genau unter die Lupe nehmen und anspielen kann.

Unsere Empfehlung

– Nur Instrumente namhafter Hersteller kaufen
– Am besten mit Unterlagen, Papieren, Rechnungen etc.
– Wenn man sich nicht sicher ist und Zweifel hegt ob es das richtige Cello zum richtigen Preis ist, sollte man es sein lassen oder noch eine Nacht darüber schlafen um einen Entschluss zu fassen
– Wissen was man will. Man muss ganz genau wissen wonach man sucht, wie groß das Budget ist, wie viel Zeit man zum Suchen hat und wo man suchen möchte. Nur so macht man am Ende ein gutes Geschäft

FAZIT

Für Anfänger und Fortgeschrittene ist der Kauf eines gebrauchten Cellos aus finanzieller Sicht ein gutes Geschäft – für Profis vor allem dann, wenn sie ein ganz bestimmtes Instrument suchen oder klare Vorstellungen vom Wunschcello haben, das sich so nur auf dem Gebrauchtmarkt findet. Wenn man die Möglichkeit hat ein Gebrauchtes zu kaufen sollte man diese auch nutzen. Man bekommt wenn man es richtig anstellt die selbe Qualität eines vergleichbaren Neuen für deutlich weniger Geld. Man sollte aber genau hinsehen und sich vor dem Kauf vergewissern, dass man auch ein faires Geschäft macht.