Cello lernen als Erwachsener? Was dafür spricht – und was dagegen

Viele Erwachsene träumen davon Cello spielen zu können. Oft tragen sie diesen Gedanken jahrelang mit sich herum und der richtige Moment einfach zu starten kommt nie. Die Gründe sind nüchtern betrachtet fast immer vorgeschoben. Man ist niemals zu alt um dieses wunderbare Instrument zu erlernen. Erwachsene und Senioren können Cello lernen und können die Vorteile von Kindern nicht selten kompensieren oder sogar übertreffen. Wieso das so ist, welche Einschränkungen man haben könnte und wann man starten sollte, verraten wir in diesem Beitrag.

Zu alt? Zu spät? Auf keinen Fall!

Die gute Nachricht vorab: Es ist grundsätzlich niemals zu spät, ein Instrument spielen zu lernen. Dabei sollte immer die Leidenschaft und das Interesse, die Freude am Üben und Spielen im Vordergrund stehen. Wenn man erst als Erwachsener beginnt, dann handelt es sich in der Regel um ein ganz bestimmtes Musikinstrument. Vielleicht hatte man als Kind nie die Gelegenheit Musikunterricht zu bekommen und ein Instrument zu erlernen und man möchte sich als Erwachsener diesen nicht erfüllten Wunsch verwirklichen. Übung macht bekanntlich den Meister und die großen Virtuosen wie Yo-Yo Ma haben einfach sehr früh angefangen und viele tausend Stunden geübt. Außerdem sind sie meist extrem talentiert und haben alle kognitiven und motorischen Fertigkeiten gehabt, mit viel Übung einen unglaublichen Level zu erreichen. Wer erst als Erwachsener durchstartet hat es natürlich schwer, die ein paar Tausend Stunden Üben einfach hereinzuholen. Aber egal ob man mit 30, 50 oder 70 Jahren startet – die Zeit beginnt bei Null und man es selbst in der Hand, wie fleißig man übt und wie viele Stunden man in die Musik investiert.

Kinder VS Erwachsene: Eine Frage des Talents?

Natürlich haben Kinder einige nicht von der Hand zu weisende Vorteile auf ihrer Seite. Sie lernen in der Regel schneller als Erwachsene. Es fällt ihnen ob ihrer kognitiven Fähigkeiten leicht, sich neue Stücke einzuprägen und ihre feinmotorischen Fähigkeiten lassen sich noch optimal trainieren. Außerdem haben sie in der Regel keine gesundheitlichen Einschränkungen. Der Knackpunkt ist aber, dass nur ein winzig kleiner Teil der kleinen Musiker diese Vorteile für sich nutzt. Es fehlt vielen am Ehrgeiz, der bei Erwachsenen in der Regel deutlich ausgeprägter ist als beim durchschnittlichen Kind oder Jugendlichen. Erwachsene die sich dazu entscheiden Cello zu spielen wollen es wirklich und sind bereit, alles zu geben. Damit lässt sich einiges wettmachen.

Talent VS Übung? Übung gewinnt fast immer.

Auch bei Erwachsenen lässt sich zudem beobachten, dass einige sehr schnelle Lernfortschritte erzielen und musikalischer sind als andere, bessere motorische Fähigkeiten mitbringen oder in der Vergangenheit sogar schon einmal begonnen haben, ein Musikinstrument zu erlernen. Ob dies nun ein Streichinstrument war, ein Tasteninstrument, ein Blasinstrument oder etwas ganz anderes spielt dabei keine Rolle, meist profitiert man davon auch im Fortgeschrittenen Alter, selbst wenn man es überhaupt nicht merkt. Es gibt also durchaus Unterschiede was die individuelle Begabung anbelangt. Aber ganz gleich was aus dem Abenteuer Cello lernen wird – entscheidend ist, sich zu verbessern. Man sollte immer nach sich selbst schauen und danach, was man erreicht hat und noch erreichen kann.

Musikunterricht oder selber lernen?

Es gibt Musikinstrumente die sich ganz hervorragend für Autodidakten eignen. Die Gitarre zum Beispiel. Man wird intuitiv vieles richtig machen und mit ein paar Tutorials und Videos aus dem Internet kann man schnelle Erfolge verzeichnen. Jeder kann eine leere Saite zupfen und mit ein paar Akkorden klingt das ganze dann meist schon recht ordentlich – nach Musik. Saiteninstrumente wie das Cello sind nicht ganz so Anfängerfreundlich. Die Sitzposition sowie die Positionierung des Cellos und das korrekte Halten des Bogens sind wichtig und jemand vom Fach sollte einen einweisen und korrigieren bis alles passt. Auch die Tonerzeugung ist nicht ganz so einfach. Streicht man mit dem Cellobogen über die Saite klingt dies bei den ersten Versuchen in der Regel nicht ganz so geschmeidig wie man es vielleicht von Aufnahmen oder Konzerten kennt. Es gibt Autodidakten die ganz allein gelernt haben Cello zu spielen. Aber dies erfordert einen extremen Willen, viel Zeit und noch viel mehr Versuche. Einfacher ist es definitiv, sich einen professionellen Cellolehrer zu suchen. Viele bieten ihre Dienste privat an, aber auch städtische Musikschulen nehmen Erwachsene Schüler in der Regel auf. Wir empfehlen ganz klar Unterricht – der Einstieg wird einfacher, man erspart sich Fehler die man sich sonst mühevoll wieder abtrainieren müsste und außerdem hat man einen Kurs und jemanden, der einen begleitet. Schließlich hat man auch ganz praktische Fragen und jemand der selbst viel Erfahrung hat kann einen dann auch beraten wenn es darum geht ein Cello zu kaufen, die Saiten zu wechseln oder das Streichinstrument zu stimmen.

Motivation ist der Schlüssel

Das Wichtigste ist wie bereits erwähnt der Ehrgeiz. Dieser wird stets von Motivation gespeist. Unterscheiden lässt diese sich grob in intrinsische und extrinsische Motivation. Die intrinsische Motivation meint den Antrieb von innen heraus etwas zu tun, also aus freien Stücken, ohne Zwang. Die extrinsische Motivation hingegen beschreibt äußere Faktoren die einen dazu bewegen, etwas zu tun. Dies können bei Kindern die Eltern sein die sie zum Üben anhalten oder der anstehende Musikunterricht der sie dazu bewegt, wenigstens ein bisschen zu üben. Wirklich gut wird nur, wer eine hohe Eigenmotivation hat und sich selbst Ziele setzt und sich mit dem Cello hinsetzt und übt. Eine Stunde Üben mit hoher Motivation und Aufmerksamkeit sowie dem Willen die Zeit optimal zu nutzen und sich wirklich zu verbessern ist effektiver als 10 Stunden des vor sich hin Übens ohne Plan und ohne Fokus. Viele Erwachsene sind eindeutig die besseren Eigenmotivatoren und können die Zeit oft besonders effektiv nutzen. Man sollte natürlich nicht irgendein Instrument erlernen sondern genau das, mit welchem man sich emotional verbunden fühlt. Sollte man unerwartet nicht so gut damit zurecht kommen wie zunächst angenommen, kann man immer noch nach Alternativen Ausschau halten, wechseln und etwas anderes ausprobieren. Man sollte aber nicht vor dem Cello zurückschrecken, weil es teurer ist als eine Blockflöte oder eine Gitarre. Es besteht die Möglichkeit, auch herausragende gebrauchte Cellos zu kaufen oder Instrumente zu mieten.

Kontinuität trennt die Spreu vom Weizen

Zu Beginn sind sind die meisten Musikschüler sehr motiviert. Leider währt dieser Zustand oft nicht sehr lange. Erwachsene sind auch hier im Vorteil und halten meist deutlich länger durch. Es geht nicht darum motiviert einzusteigen und Cello zu lernen, regelmäßig zu Üben und gute Fortschritte zu machen. Entscheidend ist immer die Kontinuität. Man muss dran bleiben – auch dann, wenn man zu stagnieren scheint und vorübergehend ein Tief oder eine Sinnkrise hat. Übungszeit reduzieren und weitermachen, sich selbst motivieren und vor Augen halten, dass die Mühe sich irgendwann auszahlen wird. Meist geht das sehr schnell. Wer frühzeitig aufgibt, erreicht seine eigene Ziellinie nie. Dranbleiben ist deshalb sehr wichtig – auch für Erwachsene.

Die richtigen Ziele setzen

Aus einem Greis wird kein Virtuose mehr. Aber fast jeder ist nach einiger Zeit verblüfft, wie viel doch tatsächlich möglich ist, auch als Erwachsener. Um nicht auf der Strecke zu bleiben, braucht man Ziele im Leben. Dies gilt auch für die Musik. Zu Beginn unterschätzt manch einer seine Fähigkeiten – wieder andere überschätzen sie. Nach einiger Zeit des Übens und dem ein oder anderen Erfolgserlebnis, kann man sich selbst, sein Potential und seine Zukunft deutlich besser einschätzen. Auch der Musiklehrer hilft einem mit seinen Einschätzungen gerne weiter, wo man gerade steht und wo er einen in der Zukunft sieht, wenn man so weiter macht wie bisher oder seine Bemühungen sogar noch erhöht. Dann sollte man sich Ziele setzen. Stücke die einem gefallen und in Reichweite sind kann man Step by Step erarbeiten. Motivierend ist es, wenn diese auch realistischerweise erreichbar sind. Ziele motivieren und wenn man irgendwann ein Stück spielen kann von dem man zu Beginn noch dachte dass man das niemals erreichen könnte, motiviert das ungemein weiter zu machen und noch einen oben drauf zu setzen.

Wie lange dauert es bis man Cello spielen kann?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Wie lange es dauert hängt zum einen davon ab welche Maßstäbe man setzt und was man genau erreichen möchte oder ab wann man von sich selbst sagen würde, man könne Cello spielen. Zum anderen ist natürlich entscheidend, wie viel Talent man mitbringt und wie viel Zeit man in welchem Zeitraum ins Üben investiert. Die meisten Schüler können aber schon nach ein paar Wochen sehr einfache Stücke spielen.

Einfach starten

Erwachsene lernen anders als Kinder. Strukturierter, motivierter, mit Plan und der Fähigkeit einer gesunden Selbstreflexion. Es muss Spaß machen Cello zu lernen. Die positiven Effekte sind wissenschaftlich belegt, so hält man sich mit diesem Hobby geistig fit und profitiert gesundheitlich davon. Man muss nur anfangen. Der erste Schritt ist der wichtigste. Wir wünschen viel Erfolg!

Cellos für Erwachsene

Für die meisten Erwachsenen eignen sich 4/4 Cellos. Das ist die Standardgröße. Etwas kleiner sind Instrumente der Größe 7/8. Alle anderen Cellogrößen sind optimal für Kinder und Jugendliche. Die folgende Liste zeigt die aktuellen Top Seller bei Thomann, dem größten Musikhaus Europas. Was von anderen besonders oft gekauft wird, kann einem bei der Suche nach einem geeigneten Instrument eine große Hilfe sein.