Alles was man über die Bratsche wissen muss

Die Bratsche ist die große Schwester der Geige. Etwas tiefer und größer als die Violine entfaltet das Streichinstrument aus dem 16. Jahrhundert beim Spielen seinen ganz eigenen und unverwechselbaren Charakter. Was man über Bratsche die auch als Viola oder Alto bezeichnet wird wissen muss und für wen sie das richtige Instrument ist, verraten wir in diesem Beitrag.

Unterschiede zwischen Geige und Bratsche

Bratschen sind eine Quint tiefer gestimmt als Geigen. Beide Instrumente haben vier Saiten und teilen sich drei davon in der selben Stimmung. Nämlich A-Saite, D-Saite und G-Saite. Die hohe E-Saite die der Violine die für sie typischen hohen und eindringlichen Töne ermöglichen die direkt in die Seele dringen und für Gänsehaut sorgen, fehlt der Viola. Dafür kann die Bratsche dank ihrer tiefen C-Saite welche wiederum bei der Violine fehlt, Töne hervorbringen die herber und maskuliner oder schlicht dunkler, fast schon melancholisch, dabei aber voll, anmuten. Es handelt sich um zwei Streichinstrumente mit vielen Gemeinsamkeiten aber einem ganz anderen Flair. Violinen bringen es auf eine Korpuslänge von knapp 36 Zentimetern. Bratschen sind etwas größer. Während die kleine Bratsche eine Länge von circa 39 Zentimetern hat, ist die große Bratsche mit bis zu 43 Zentimetern sogar noch größer. Auch die Bögen der beiden Instrumente sind fast identisch, wobei ein Bratschenbogen meist an der abgerundeten Kante zu erkennen und etwas schwerer ist als ein Geigenbogen. Am Ende ist keines der beiden Streichinstrumente dem anderen überlegen. Jedes ist sehr anspruchsvoll zum erlernen und bietet ein gewaltiges Spektrum an musikalischen Möglichkeiten.

Die Geschichte der Bratsche

Ihre Ursprünge hatte die Bratsche bereits im 16. Jahrhundert. Ein Geigenbauer namens Gasparo da Salò hat das Instrument gebaut welches rasch auch Einzug in Sinfonieorchester finden sollte. Die Geige wurde damals als Soloinstrument aber vorgezogen – weil sie einfach kompakter war, besser zu handeln und auch leichter zu greifen weil die damaligen Bratschen noch um einiges größer waren als sie moderne Ausführungen. Man brauchte also eine gute Spreizfähigkeit der Finger und im Idealfall große Hände. In den 1740er Jahren kam dann eine kompaktere Bauart zum Einsatz die das Streichinstrument dann angenehmer zum Spielen machte. Gerade in der Kammermusik kann die Viola ihre Stärken voll ausspielen und kommt dort gerne zum Einsatz. In Kombination mit Cello, Geige und Kontrabass ergibt sich ein stimmiges Streichquartett das ein umfangreiches Repertoire bedienen kann. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden fast 150 Konzerte für Bratsche. Nach dieser Zeit war die Bratsche nicht mehr so präsent, da sich in Romantik und Moderne die Schwerpunkte verschoben haben. Deshalb entstanden hier auch kaum noch Werke speziell für die Bratsche. Auch heute noch steht die Viola etwas im Windschatten von der Geige die einfach populärer ist. Auf italienisch heißt die Bratsche übrigens Viola und auf französisch heißt sie Alto.

Eigentlich zu klein geraten

Vergleicht man die beiden Streichinstrumente fällt auf, dass die Bratsche nicht einfach nur eine größere Geige ist. Dies wäre der Fall, wenn das Instrument die selben Proportionen wie eine Violine hätte. Für den tieferen Klang der Bratsche wäre ein größerer Korpus eigentlich vorteilhafter. Ihr typischer Klangcharakter kommt aber gerade deshalb zustande, weil der Korpus etwas zu klein dimensioniert ist für ihre Stimmung. Dass die Bratsche keine 54 Zentimeter lang ist, das würde im Grunde Sinn machen, ist darauf zurückzuführen, dass die Bratsche wie schon beschrieben etwas verkleinert wurde um sie praktischer und komfortabler zu gestalten. Ein kleineres Instrument ist schlicht besser bespielbar und daran hat und wird sich auch nichts ändern. Die heutige Form ist also das Ergebnis einer langen Entwicklung.

Für wen ist die Bratsche das richtige Instrument?

Grundsätzlich für jeden, der Interesse an dem Streichinstrument und seinem Klangcharakter hat. Weil die Geige einfach beliebter ist, findet sich hier zwar umfangreichere Lektüre zum Bratsche lernen und auch das Repertoire für die Geige welches im Laufe der Jahrhunderte entstanden ist ist größer – aber auch für die Viola gibt es alles was man braucht und selbstverständlich auch den passenden Musiklehrer. Es ist also eine Frage der persönlichen Präferenzen. Wer Bratsche lernen möchte, sollte dies auch tun und nicht nur deshalb zur Geige greifen, weil sie populärer ist und es mehr Geiger und Geigenschüler gibt. Beherrscht man die Viola irgendwann, eröffnen sich so zahlreiche Möglichkeiten sich musikalisch in Orchestern einzubringen. Auch deshalb, weil es weniger Bratschenspieler gibt als Geiger.