Aufbau der Geige einfach erklärt

Streichinstrumente faszinieren jung und alt. Ihr Klang geht unter die Haut und von klassischer bis moderner Musik können sie mit einer gewaltigen musikalischen Bandbreite aufwarten. Der wohl beliebteste Vertreter aus dieser Familie ist zweifellos die Geige oder Violine, wie sie auch genannt wird. Im 16. Jahrhundert nahm sie die heutige Gestalt an und wurde um die vierte Saite ergänzt. Große Geigenbauer wie der Italiener Antonio Stradivari haben die Bauweise beeinflusst und seitdem hat sich die Violine an sich nicht mehr verändert. Wie eine Geige aufgebaut ist, wofür die einzelnen Bauteile und Segmente gut sind und wieso sie genau so aussehen wie sie aussehen, verraten wir in diesem Beitrag.

Schnecke

Die für Streichinstrumente charakteristische Schnecke bildet den Abschluss der Violine. Direkt darunter sitzt der Wirbelkasten. Ihre typische Form erhält die Schnecke bei der Fertigung vom Geigenbauer der hier sein handwerkliches Können unter Beweis stellen kann. Gelegentlich trifft man auch auf Geigen deren Schnecke vom heutigen Standard abweicht und besonders kunstvoll und aufwendig gestaltet ist. Häufig hat man es hier mit Schnecken in Form eines Menschen- oder Tierkopfes zu tun. Die Geigenschnecke ist ein Zierobjekt welches die Ästhetik des zeitlosen Streichinstrumentes unterstreicht und für ein optisch ansprechendes Gesamtbild sorgt. Auswirkungen auf den Klang hat die Schnecke aber eigentlich nicht. Man findet dieses Merkmal auch bei E-Geigen wieder. Auf die Schnecke zu verzichten oder sie gegen eine modernere Verzierung auszutauschen ist natürlich keine Option, zu lange reicht ihre Tradition zurück.

Wirbel

Um die Geige stimmen zu können, werden die vier Saiten auf die passenden Wirbel gewickelt, die jeweils paarweise links und rechts am Wirbelkasten angeordnet sind. Dabei dreht man die Wirbel einfach, bis der gewünschte Ton eingestellt ist. Noch exakter Stimmen kann man dann mit den sogenannten Feinstimmern, welche viel präziseres und genaueres Stimmen ermöglichen. Der Wirbelkasten selbst hält die Wirbel in Position und bietet ausreichend Raum für die aufgewickelten Saiten. Wichtig bei Geigenwirbeln ist, dass diese zum einen leichtgängig und problemlos zu bedienen sind und andererseits nicht so leichtgängig, dass sie die Stimmung der Saiten nicht halten können. In der Regel werden zur Herstellung der Wirbel die Hölzer Buchsbaum oder Ebenholz verwendet. Setzt sich ein Wirbel fest, kann man diesem übrigens mit etwas Kreide auf die Sprünge helfen die für die nötige Schmiere sorgt. Lassen sich die Wirbel hingegen zu leicht drehen, kann man einfach die Reibung der konischen Wirbelachse erhöhen, indem man spezielle Wirbelseife anwendet.

Griffbrett

Eine wichtige Rolle kommt dem Griffbrett zu. Es hat eine Länge von circa 27 Zentimetern und ist damit mehr als doppelt so lang wie der etwa 13 Zentimeter lange Hals der über eine trapezförmigen Aussparung fest mit dem Korpus verleimt ist. Am Ende des meist aus Ahorn gefertigten Halses befinden sich Wirbelkasten und Schnecke. Auch das Griffbrett der Geige ist mit dem Hals verleimt besteht im Regelfall aus besonders hartem und widerstandsfähigen Ebenholz. Da man beim Spielen dauerhaft die Finger über das Griffbrett bewegt und dort Töne greift, nutzt dieses sich mit der Zeit ab und muss dann irgendwann gegebenenfalls erneuert werden. Für das Griffbrett gibt es spezielle Pflegemittel die dem Holz nebenbei einen angenehmen Duft verleihen und seine Haltbarkeit verlängern. Viele Entfernt werden sollte regelmäßig auch der Staub des Bogenharzes, das Kolophonium.

Saitenhalter

Sind es ganz oben die Wirbel welche die Saiten in Position halten, ist es am anderen Ende des Instruments der Saitenhalter. Er ist nicht fest mit der Geige verbunden, sondern wird mithilfe der sogenannten Henkelsaite auf dem Untersattel fixiert. Dabei hängt man diese am unteren Ende der Violine in einen Knopf ein. Da der Saitenhalter der Spannung aller vier Saiten standhalten muss und vieles vom Saitenhalterknopf abhängt, ist dieser fest mit dem Unterklotz verschraubt. Dieser Klotz ist hinter der Zarge verborgen um der Konstruktion Stabilität zu verleihen. Es gibt auch einen Oberklotz, aber mit dem Saitenhalter hat dieser nichts zu tun. Die verwendeten Materialien reichen bei Saitenhaltern von Holz bis Kunststoff. Gerne wird Ebenholz verwendet, aber auch Palisander und andere Hölzer kommen hier in Frage. Die Saiten werden entsprechend über kleine Öffnungen mit dem Saitenhalter verbunden. An dieser Stelle befinden sich auch die Feinstimmer, falls vorhanden.

Kinnhalter

Ganz unten wird auch der Kinnhalter angebracht, der in den meisten Fällen aus Ebenholz oder Kunststoff gefertigt ist aber auch aus anderen Materialien und Hölzern wie Buchsbaum, Ahorn oder Palisander bestehen kann. Erfunden wurde der Kinnhalter erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Davor haben sich Musiker mit Hilfsmitteln wie Kissen, Tüchern oder Schwämmen beholfen. Viele Geiger legten ihr Kinn aber auch direkt auf das Instrument auf, was nach der Zeit Spuren hinterlassen hat. Nicht nur optisch war diese Praktik problematisch, auch der Klang konnte sich so nicht optimal entfalten und wirkte nicht selten etwas dumpf. Ein Kinnhalter ist im Grunde ein konkaver Aufsatz der diese Problematik löst und es möglich macht, die Geige schlicht mit Kinn- und Schulterdruck in der richtigen Position zu halten. Die Decke selbst wird nicht vom Schwingen abgehalten. Weil sich unsere Gesichtsform und Kiefer anatomisch voneinander unterscheiden können, werden unterschiedliche Ausführungen und Größen angeboten. Befestigt wird der Kinnhalter meist links vom Saitenhalter mithilfe von Zugfedern oder einer Hülsenschraubvorrichtung. Auch Schulterstützen werden gerne in Kombination eingesetzt. Natürlich gibt es auch Varianten für Linkshänder.

Obersattel

Am Ende des Griffbretts ist der Obersattel verbaut der meist aus Ebenholz besteht. Er führt die Saiten und gibt genau vor, wie diese über das Griffbrett verlaufen. Der Abstand der Saiten untereinander und zum Griffbrett wird genau justiert. Gäbe es ihn nicht, würden die Saiten einfach auf dem Griffbrett lümmeln. Auch die Kerben werden ganz exakt in den Sattel eingearbeitet um zu verhindern, dass die Saiten zu viel oder zu wenig Spiel haben, was die Ummantelung der Geigensaiten beschädigen könnte. Natürlich kann man mit entsprechender Schmierung die Gleiteigenschaften beeinflussen.

Korpus

Das Herzstück der Geige ist der Korpus welcher aus Decke, Boden und Zarge besteht und damit den Resonanzkörper bildet. Für die Decke verwenden Geigenbauer meist Fichte. Das Holz hat genau die richtigen Eigenschaften. Hart und mit einer guten Resonanz. Die Wahl des richtigen Klangholzes erfordert viel Wissen und noch mehr Erfahrung. Ein Geigenbauer wählt hier mit sehr viel Bedacht und Akribie, um eine Geige mit guten Klangeigenschaften bauen zu können. Bei Violinen im mittleren und oberen Preissegment hat man eigentlich immer eine zweiteilige Decke. Zwei Teile vom selben Holz, mit passender Maserung, werden zusammengesetzt um eine hochwertige Optik zu erreichen. Die charakteristischen Schalllöcher in Form eines f dürfen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Sie werden auch als F-Löcher bezeichnet. Um der Decke genug Stabilität zu verleihen, wird darunter der Bassbalken geleimt. Boden und Zargen werden meist aus Ahorn gefertigt.